Hände mit Welt-Puzzleteilen

Der zweite Tag des 11. Bundesnetzwerktreffens der Welcome Center startete mit einer Stimmung, die sich nur schwer in wenigen Worten beschreiben lässt: konzentriert, motiviert, offen – und gleichzeitig geprägt von dem Gefühl, dass hier wirklich gemeinsam an Lösungen gearbeitet wird.

Nach dem intensiven ersten Veranstaltungstag ging es direkt weiter in die Praxis. Nach einer kurzen Begrüßung und der Vorstellung der Bundesgruppe der Welcome Center durch die Sprechergruppe starteten die Teilnehmenden in die Workshop-Phase. Und genau hier zeigte sich noch einmal besonders deutlich, was das Netzwerk der Welcome Center ausmacht: die Bereitschaft, voneinander zu lernen, Herausforderungen offen anzusprechen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln.

Insgesamt fünf Workshops beschäftigten sich mit den unterschiedlichsten Facetten von Fachkräftesicherung und Integration – von Willkommensstrukturen in Unternehmen über digitale Migrationsberatung bis hin zur langfristigen Bindung internationaler Studierender.

Was alle Workshops verband: die Erkenntnis, dass erfolgreiche Integration niemals an einer einzigen Stelle entsteht. Sie entsteht im Zusammenspiel vieler Faktoren – Sprache, Arbeit, soziale Teilhabe, Beratung, Begegnung und verlässliche Strukturen.

Besonders intensiv diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie Beratungs- und Unterstützungsangebote besser miteinander verzahnt werden können. Immer wieder wurde deutlich, wie wichtig niedrigschwellige Zugänge, schnelle Orientierung und langfristige Begleitung für internationale Fachkräfte sind.

Großes Interesse weckte unter anderem der Workshop zur sprachlichen und fachlichen Weiterbildung. Dort stellte das Goethe-Institut digitale Sprachlernangebote und das Projekt „Mein Weg nach Deutschland“ vor. Besonders spannend: Viele der heute genutzten Formate entstanden ursprünglich während der Corona-Pandemie und haben inzwischen völlig neue Möglichkeiten eröffnet – gerade auch für den ländlichen Raum. Apps, Podcasts, Onlinekurse und digitale Lernangebote ermöglichen heute einen Zugang zu Sprachförderung, der vor einigen Jahren noch kaum denkbar gewesen wäre.

Auch die Weiterbildungsagentur Sachsen-Anhalt sorgte für viele Gespräche. Das Konzept einer Beratung „aus einer Hand“ – von Weiterbildung über Digitalisierung bis hin zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse – stieß auf großes Interesse. Immer wieder kam die Frage auf, wie ähnliche Modelle auch in anderen Bundesländern etabliert werden könnten.

Doch neben Strukturen und Konzepten ging es an diesem Tag vor allem um Menschen und ihre Erfahrungen.

Im Workshop „Zwischen Ankommen und Dableiben“ wurde intensiv darüber diskutiert, warum internationale Studierende Deutschland nach ihrem Abschluss häufig wieder verlassen – und was sich ändern müsste, damit sie bleiben. In der Vorstellung des Projektes „Queraufstieg“ wurde deutlich, wie wichtig individuelle Unterstützung und frühzeitige Begleitung sind. Besonders eindrücklich war dabei der Beitrag einer internationalen Studierenden und Botschafterin des Deutschlandstipendiums. Ihre Botschaft war klar und gleichzeitig berührend einfach: Entscheidend sei oft nicht nur der Studienplatz oder die berufliche Perspektive, sondern das Gefühl, willkommen zu sein.

Zwischen den Workshops, auf den Fluren, an den Kaffeetischen und beim gemeinsamen Mittagessen wurde weiterdiskutiert, gelacht und vernetzt. Genau diese informellen Gespräche machten für viele Teilnehmende den besonderen Wert des Treffens aus. Denn oft entstehen die besten Ideen eben nicht nur auf Bühnen oder in Präsentationen, sondern im direkten Austausch miteinander.

Zum Abschluss des Treffens richtete Lutz Rätz (Projektleiter der Landesinitiative Fachkraft im Fokus) einen herzlichen Dank an alle Beteiligten, Unterstützer:innen und Mitwirkenden. Doch bevor die Veranstaltung offiziell endete, wartete noch ein letztes Highlight auf die Teilnehmenden: Poetry-Slamer Samson Völk brachte auch den zweiten Tag mit viel Humor, Charme und feinem Gespür für die Stimmung im Raum auf den Punkt. Zwischen Lachen, Nachdenklichkeit und Applaus wurde dabei noch einmal deutlich, was dieses Netzwerktreffen besonders gemacht hat.

Das 11. Bundesnetzwerktreffen der Welcome Center hat gezeigt, dass Fachkräftesicherung weit mehr ist als Arbeitsmarktpolitik. Es geht um Begegnung, Teilhabe, Perspektiven und die Frage, wie wir künftig zusammenleben wollen. Und vielleicht war genau das die wichtigste Erkenntnis dieser zwei Tage in Magdeburg: Willkommen beginnt nicht bei Formularen – sondern bei Menschen.

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